Chlamydien

Wir sagen den Chlamydien den Kampf an……..

Man kann über Chlamydien reden wie über eine Erkältung. Beides wird von anderen Infizierten übertragen – Chlamydien über Sex, Grippeviren über das Einatmen – wo ist das Problem. Sexuell übertragbare Krankheiten haben wenig mit mangelnder Hygiene zu tun. Nur wenn man miteinander offen und vorurteilsfrei über die möglichen Infektionswege sprechen kann, lassen sich auch die nächsten Schritte – Prävention, Symptome, Therapie, Kontrolle, Partnerbehandlung – verständlich machen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 1975 zur sexuellen Gesundheit eine umfassende und komplizierte Definition geliefert: „Sexuelle Gesundheit ist die Integration der somatischen, emotionalen, intellektuellen und sozialen Aspekte sexuellen Seins auf eine Weise, die positiv bereichert und Persönlichkeit, Kommunikation und Liebe stärkt. Grundlegend für dieses Konzept sind das Recht auf sexuelle Information und das Recht auf Lust.“ Das bedeutet aber auch: Sich im Intimbereich wohl zu fühlen, Sex ohne Schmerz und ohne Angst vor möglicher Erkrankung zu genießen sowie eine gute Untersuchung und ausreichende Behandlung bei Diagnose zu erhalten, sind wichtige Aspekte der sexuellen Gesundheit.

2012 schätzte die WHO, dass weltweit jährlich 131Mio. Neuinfektionen mit Chlamydien auftreten. Chlamydien sind in Deutschland das häufigste sexuell übertragene Bakterium mit einer wachsenden Anzahl Infizierter und gilt als Hauptverursacher infektionsbedingter Sterilität. Circa 90% der Infizierten ahnen nichts von der Infektion. Bei Mädchen und jungen Frauen beginnt eine Infektion mit Chlamydien oft mit einer Entzündung am Muttermund, die lange weitgehend ohne Symptome bleiben kann. Bei mindestens der Hälfte der Infizierten steigt diese Infektion weiter auf und es kommt zu einer Endometritis, einer Entzündung der Gebärmutterschleimhaut. Im weiteren Verlauf breitet sich die Entzündung bei anhaltender Symptomarmut auf die Eileiter aus, wo sie zu einer Verklebung und Zerstörung des Epithels führt. Bis die Chlamydien-Infektion jedoch klinisch relevant wird, vergehen in der Regel viele Jahre. Meistens wird sie erst bemerkt, wenn der Kinderwunsch in den Vordergrund tritt: Jede 4. bis 5. Frau mit einer genitalen Chlamydien-Infektion ist von einer nachfolgenden Sterilität betroffen. 30 – 50% aller jungen Paare, die unfreiwillig steril sind, lassen sich auf Chlamydien-Infektionen zurückführen. Bereits heute können etwa 100.000 Frauen in Deutschland aufgrund einer abgelaufenen Chlamydien-Infektion auf natürlichem Wege keine Kinder mehr bekommen.

Der Genitaltrakt, insbesondere bei jungen Mädchen, ist in hohem Mäße anfällig für eine Chlamydien-Infektion. Der Grund dafür liegt in den stattfindenden anatomischen Veränderungen auf Zellebene, die den Chlamydien hervorragende Bedingungen bietet, weil der Gebärmutterhalskanal für Mikroorganismen leicht passierbar ist und die Reifung der lokalen Immunabwehr zunächst noch unvollständig und bei rauchenden Mädchen ohnehin vermindert ist.

Chlamydien führen ein Schattendasein im gesellschaftlichen und schulischen Aufklärungskontext. Das Thema HIV/AIDS zum Beispiel bietet weit mehr spektakuläres als jede andere sexuell übertragbare Krankheit.

Beim 1. Mal benutzen viele junge Männer ein Kondom. Viele von ihnen verzichten aber auch wieder darauf, sobald das Mädchen die Pille nimmt. Demnach gibt es beim Kondomgebrauch eine Kluft zwischen den Versprechungen der Werbung oder der Präventionskampagnen und der gelebten Erfahrung mit dem Kondom als einem erheblichen Störfaktur.

Es darf nicht sein, dass junge Frauen ihre Fruchtbarkeit und ihren Kinderwunsch weiterhin ahnungslos aufs Spiel setzen. Wir testen. Jedes Jahr.